Tagebuch
 

9. März



Albany

Unterwegs. Noch bevor der Wecker um halb sechs klingelte haben wir uns aus unseren Schlafsäcken gepellt, die Dusche angeworfen, unser karges Frühstück zubereitet und dann angefangen, die Flieger aufzurüsten. Es dauerte doch etwas länger als gedacht, bis auch der letzte Beutel verstaut, die letzte Tasche festgeschnallt die letzte Dose Öl verstaut war. Begleitet von den guten Wünschen von Tom, Ian und Sally rollten wir zur Starbahn 23 und auf gings in den noch recht frischen Morgen. Eine Ehrenrunde, ein Foto zur Erinnerung und dann Kurs Richtung Süden nach Bunbury. Schon nach kurzer Zeit kam die erschreckende Erkenntnis: mit dem vielen Gepäck an Bord werden wir viel mehr Benzin verbrauchen , als gedacht bzw. als üblich. Normalerweise verbraucht Giselas Flieger um die 12 Liter und mein nagelneuer Rotax 912 Viertakter ebenfalls. Beim Mir stieg der Durchsatz auf 16 Liter, Giselas Motor schluckte sage und schreibe 22 Liter pro Stunde! Das wird uns in Schwierigkeiten bringen denn zwischendurch auf unserem Weg nach Narromine werden wir die eine oder andere Strecke haben, die deutlich über 200 Kilometer hinausgeht. Wenn dann noch der Wind von vorne weht, gibt es Probleme.

Aber erst mal zurück zum Flug. Rechts von uns liegt die Küstenlinie, dann ein breiter Streifen mit Seen oder ausgetrockneten Wasserstellen und unter uns völlig vertrocknete Viehweiden. Der in ist noch sehr schwach, die Luft angenehm kühl und die Sich reicht bis zum Anschlag. Nach 1:35 Stunden Landung in Bunbury. Schön nach australischen Vorschriften haben wir uns fünf Meilen vor dem Platz über Funk gemeldet, dann ordentlich den Platz überflogen und mit einer Linksplatzrunde zur Landung angesetzt. Von den Ultraleichtfliegern, die gestern noch die Halle bevölkerten, war nichts zu sehen, also diesmal tanken an der Air BP-Zapfstelle. Benzinpreise in Australien sind ein Witz. An der Straßentankstelle kostet unverbleites Benzin etwa 70 bis 75 Pfennig, das verbleite Flugbenzin liegt mit etwa 60 Pfennig noch darunter. Eine Schluck Sprudel noch, ein Anruf bei Paul Coffey, der uns Benzin für die nächste Station organisieren will und wieder ab in die Luft. Spritverbrauchsrechnen und Streckenkalkulation beschäftigen uns während der nächsten knapp zwei Stunden auf dem Weg nach Kojonup. Dort wartet in der Mittagshitze bereits Terry Williams mit seiner Tochter auf uns. Leider hatte ihm niemand gesagt, daß wir Kanister benötigen, um zu tanken. Also sind wir erst mal eine Weile in der Gegend herumgefahren, um uns bei einer Farm Jerrycans auszuleihen. Schließlich sind wir bei der Tankstelle erfolgreich und laden 87 Liter Benzin ein. In der Zwischenzeit hat Gisela auf dem Flugplatz Besuch bekommen. Ein Schafzüchter, der früher als Mechaniker gearbeitet hat, zeigt sich interessiert. Er erkennt das Emblem der BWKA und fragt nach, was wir denn damit zu tun haben. Er kennt auch die Bremer Wollkämmerei und weiß auch, daß sie mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat.

AlbanyWegen der deutlich höheren Temperaturen quälen sich diesmal unsere Flugmaschinen mächtig, bis sie in die Luft kommen. Gut, daß die extra für die Flying Doctors gebaute Startbahn lang genug ist. Und wieder geht es über endloses Farmland. Allerdings muß man sich das anders als in Deutschland vorstellen. Die weiden sind sehr groß, zwischendrin immer wieder Eukaliptuswälder (Gumtree) und nur wenige Schafe auf den vertrockneten Weiden. kilometerweit voneinander getrennt dann ein paar Blechscheunen und ein kleines Farmhaus. Ein endloses fast flaches Land, nur gesprenkelt mit vielen künstlichen Wasserlöchern für die Schafe. Die Strecke nach Albany zieht sich mächtig in die Länge. Langsam aber sicher sinkt auch die Geschwindigkeit über Grund, denn je näher wir dem Meer kommen, um so stärker wird der Wind, der uns genau von vorne anbläst. London-HotelKarte und GPS-Anzeige erweisen sich als außerordentlich zuverlässig. Das einzig beunruhigende ist der Benzinverbrauch. Der Flugplatz von Albany hat zwei lange sich kreuzende Pisten und ein Abfertigungsgebäude, wie in Bremerhaven. Aber der Platz ist nahezu ausgestorben. Ein begeisterter Amateurflugzeugbauer interessiert sich für uns, macht uns mit dem Platzmanager bekannt, der gleich neben dem Flugplatzgebäude wohnt und organisiert uns eine Parkplatz. Nachdem er uns auch noch stolz seinen neuesten Eigenbau (der fünfte) eine RV 80 gezeigt hat, nimmt er uns mit in die Stadt. Im Backpaker-Hotel London finden wir eine günstige Unterkunft und sind froh, nach über fünf Stunden Flug unsere verkrampfte Glieder ausstrecken zu können.


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