Tagebuch
 

12. März



Norseman

RichardDer gute Geist des heutigen Tages heißt Richard, war in der Goldmine von Norseman tätig und ist jetzt selbständig im Baugeschäft. Er tauchte auf, kurz nachdem wir auf der Salzsee-Landebahn dieses kleinen Bergbaustädtchens gelandet waren. Er lud uns samt Gepäck in seinen Geländewagen, brachte uns in die nächste Backpacker-Unterkunft, stellte uns der Dame vom Touristenbüro vor, die auch gleichzeitig Mitarbeiterin der örtlichen Zeitung ist, zeigte uns das Schwimmbad und versprach, morgen ganz früh wieder zu kommen, um uns samt Tanks zu unseren Fliegern zu bringen.

Diesmal hatten wir die Flächen abgebaut und flach auf den Boden gelegt, denn in der vergangenen Nach bin ich fast tausend Tode gestorben. Der Wind pfiff mächtig um unsere Unterkunft und ich sah schon im Geiste, wie sich unsere beiden Flieger losgerissen und vom Wind durch die Gegend geblasen wurden. Schreckliche Alpträume, die ich einfach nicht noch einmal erleben wollte. Doch als wir morgens gegen 6:30 Uhr am Pflugplatz ankamen, standen sie noch immer brav angebunden an ihrem Platz.

Die Vorbereitungen waren schnell erledigt, der Start ging auch glatt trotz des schon wieder sehr frischen Windes. Die Wolken pfiffen in etwa 150 Metern über die Landschaft und unser Sateliten-Navigationsinstrument zeigte gerade mal eine Geschwindigkeit über Grund zwischen 50 und 60 Kilometer pro Stunde an. Keine Chance, bis zu unserem angestrebten Ziel Salmon Gums zu kommen. Wir hatten ab Abend vorher eine Empfehlung bekommen, daß bei Cascade ein Farmstrip sein sollte. Es handelte sich um eine steinige Piste, von der wir erst einmal eine Schafherde verjagen mußten, bevor wir nach zwei Stunden Flugzeit dort landeten.

Vierhundert Meter weit im Farmhaus war eine reichlich vergrätze Frau, die von nichts wußte und mit nichts zu tun hatte. "I am the caretaker". Schließlich telefonierte sie mit dem Besitzer und kam mit der Nachricht zurück, daß hinter dem Haus ein großer Tank mit Benzin steht. In Ermangelung von Kanister schleppte ich das Benzin dann in einem Wassereimer zu unseren Trikes, die von Gisela vor dem Umblasen bewahrt wurden. Wieder mit vollen Tanks dann weiter Richtung Salmon Gums. Doch obwohl der Wind noch immer mit mehr als 20 Knoten fast von vorne blies, ergab eine Kalkulation in der Luft, daß es diesmal bis Norseman reichen müßte.

Wegen eines riesigen Waldgebietes mußten wir trotzdem einen kleinen Bogen fliegen, um dann entlang der Nationalstraße nach Norden zu fliegen. Die Schafweiden wurden seltener und unter uns breitete sich Buschland (also Wildnis mit niedrigen Sträuchern und mittelgroßen Bäumen) aus. Eine halbe Stunde später tauchten die ersten Salzseen auf, die wie weiße Flecken auf dem dunkelbraunen Untergrund leuchteten. Ganz in der Ferne eine kleine Erhebung. Dort irgendwo mußte unser Ziel sein, aber es schien, als gäbe es dort nichts als Wald uns Salzseen. Wir flogen genau über der Straße und wurden ab und zu von einem der Roadtrains überholt. Roadtrains sind Lastwagen mit zwei Anhängern, die hier durch die Einöde brettern.

Nach über zwei Stunden endlich Norseman - aber wo ist der Flugplatz. Von den versprochenen zwei Landebahnen nichts zu sehen. Schließlich entdecken wir im Salzsee neben der Stadt etwas, das wie eine Landepiste aussieht. Die Bahn erweist sich als glatt und sauber. Wir rollen zu einem abgeteilten Eck und binden die Flieger erst mal an. Dann taucht der eingangs beschriebene Richard auf und kümmert sich um uns. Nun sitzen wir beide ein wenig groggy im örtlichen Schwimmbad (50 Meter-Bahn, eiskaltes Wasser) und lassen es uns gut gehen.

Nachbemerkung: Je weiter wir in die Einsamkeit kommen, desto seltener können wir per Email unsere Berichte abliefern. Deshalb kann es gelegentliche Verzögerungen geben. Wenn wir es schaffen, nicht nur unsere Mails loszuwerden, sondern auch unsere Webseite anzuschauen, freuen wir uns ganz besonders über die Eintragungen im Gästebuch. Zeigen Sie uns doch, daß mehr Menschen als gedacht an unserem Flug crossing down under anteilnehmen. Das macht Mut.


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