Tagebuch
 

16. März



Whyalla

Heute haben wir uns mal wieder gefragt, warum wir das alles machen (eine Antwort haben wir noch nicht), denn es war auf den letzten 180 Kilometern außerordentlich turbulent. Aber besser von Anfang an: Nach einem einfachen Start in Penong in knapp einer Stunde nach Ceduna. Hier endet für uns die Nullabor-Ebene. Außerdem muß man hier schon wieder die Uhr verstellen. Die Australier haben ein merkwürdiges System der Zeitzonen. Zwei mal 45 Minuten und dann irgendwann später noch einmal eine halbe Stunde vorwärts. Verstehe das, wer will.

In Ceduna landete wenig später eine kleine zweimotorige Passagiermaschine. Es gelang mir, dem Piloten das Wetterfax abzuschnacken. Danach sollte der Wind in unserer nun üblichen Flughöhe variabel mit 10 Knoten sein. Am Boden dagegen wehten schon wieder 15 Knoten aus der verkehrten Richtung. Also: wieder Gas geben und ab nach oben. Das nächste Stück Strecke ging knapp an die Grenzen unseres Benzinvorrats. Gisela kann ihren Langstreckentank nicht mehr bis oben hin füllen, denn dort befindet sich ein kleines Leck. Wir haben es mit einem einfachen Fernfahrertrick verschlossen: Seife. Nun läuft zwar kein Benzin mehr aus, aber vorsichtshalber füllen wir nicht mehr bis zum Rand.

Erst kurz vor Wudinna machen sich auch in unserer Höhe die ersten thermischen Hupfer bemerkbar. Beim Sinkflug schaukelte es schon mächtig, ab Boden dann kaum Wind und brütende Hitze. Wir hatten zuvor per Telefon der örtlichen BP-Station Nachricht gegeben und brauchten nur 5 Minuten zu warten, bis der Tankwart kam. In der Zeit erkundeten wir das Mini-Abflug-Terminal und ich stieg erwartungsfroh auf die Waage. Mindestens 3 Kilo weniger, als vor dem Abflug in Deutschland. (Wenn das kein Erfolg ist!)

HalleDie nächste Strecke, weitere 180 Kilometer, war die bislang unangenehmste. Selbst in 5.500 Fuß, das sind über 1.500 Meter, schaukelte es noch so, daß wir die Anschnallgurte wirklich brauchten. Die Aussicht, die nächsten zwei Stunden so zu fliegen, waren nicht gerade verlockend. Schon nach einer halben Stunde waren die Hände verkrampft und die Muskeln an beiden Armen schmerzten, weil wir den Steuerbügel fest in der Hand halten und all zu große Richtungsänderungen ausgleichen mußten.

Nach etwa einer Stunde passierten wir Kimba, einen weit vom Ort gelegenen Ausweichplatz. Ohne daß wir miteinander redeten, kämpften wir mit der Frage: hier landen und abflauenden Wind abwarten, oder weiterfliegen. Die Entscheidung wurde uns nicht leicht gemacht, den vor uns lagen mindestens 40 Kilometer Waldgebiet, also keine Möglichkeit der Außenlandung. Also Zähne zusammenbeißen und drüber fliegen. Es war die stillste halbe Stunde. Jeder kämpfte mit sich selbst und dem Wind. Erst als wir den Iron Knob, einen Berg, aus dem im Tagebau Eisenerz geholt wird, passiert hatten, und die Küste des Spencer Golf dicht vor uns lag, wich die Anspannung, die Luft wurde ruhiger und der Flugplatz Whyalla war schon in Sichtweite. Die Landung auf der Asphaltbahn war kein Problem und als wir vor die riesengroße halboffene Flugzeughalle rollten, winkte uns ein freundlicher Mensch gleich hinein.

WhyallaSo viel Glück nach diesem Flug hatten wir wirklich verdient Der gute Geist dieses Tages heißt G.W. Sturges, ist Hypnotherapeut - und natürlich Pilot. Er lud uns etwas später in sein Auto, machte eine kleine Stadtrundfahrt und lieferte uns später im Bayview Hotel ab. Whyalla ist eine kleine Stadt, die von der Eisenmine und einem großen Stahlwerk lebt. Außerdem gibt es hier eine Unterabteilung der westaustralischen Universität. Alles ein bißchen verstaubt und im Bauhausstil. Egal, wir brauchen einen freien Tag und beschließen, hier zwei Nächte zu verbringen.


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